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Dreistachliger Stichling© Rostislav / stock-adobe.com

Dreistachliger Stichling (Gasterosteus aculeatus)

Der Dreistachlige Stichling kommt so häufig vor, dass er unter vielen Synonymen bekannt ist. Einige davon sind Großer Stichling, Rotzbarsch, Stachelbarsch, Wolf, Stechbüttel, Steckerling oder Stichbeutel.
Verhaltensforscher und Umweltbiologen haben großes Interesse an den Fischen. Sie sind beliebte Untersuchungsobjekte. Wirtschaftlich haben sie jedoch keinerlei Bedeutung. Der kleine Fisch zeigt zudem ein interessantes Brut- und Wanderverhalten und besiedelt Gewässer, die andere Fische wegen zu hoher Belastung bereits verlassen haben. Deshalb wurde er 2018 zum Fisch des Jahres gewählt.

Steckbrief

Der dreistachlige Stichling© Elena / stock.adobe.com

Der dreistachlige Stichling

Körper

  • Körperform: schlank bis hochrückig
  • Maul: oberständig
  • Bezahnung: Schlundzähne
  • Schuppen:Knochenplatten
  • Besonderheiten:
    • Hohe Verbreitung in Europa
    • Drei Stacheln auf dem Rücken
  • Rückenflosse: keine
  • Spitzname: Rotzbarsch
  • Schwanzflosse: groß
  • Mittlere Länge: 6 cm
  • Maximale Länge: ca. 11 cm
  • Gewicht: bis 30 kg

 

Lebensweise

  • Lebensweise: Friedfisch, meist am Gewässergrund
  • Lebensraum: Flüsse, Seen und Kanäle in Bereichen mit wenig Strömung

 

Fortpflanzung

  • Laichzeit: Frühjahr (Mai – Juli)
  • Laichablage: strömungsarme, pflanzenreiche Uferbereiche

Wissenswertes

In den folgenden Abschnitten erfahrt ihr alle wichtigen Details zum dreistachligen Stichling, seiner verwandten Artgenossen, Nahrung, Paarungsverhalten und seines Lebensraumes.

Lebensraum

Dreistachlige Stichlinge leben in langsam fließenden Gewässern, Seen und im Brackwasserbereich der Meere. Sie bevorzugen reich bewachsene Uferregionen und sind außerhalb der Paarungszeit in kleinen Schwärmen anzutreffen.

Gegenüber Sauerstoffgehalt und Schadstoffbelastung im Wasser sind sie unempfindlich. Sie besiedeln Gewässer, die andere Fische verlassen haben und bilden dort teilweise große Populationen. Selbst in stark verbauten Gewässern, sind sie zu finden.

Die Art kommt in ganz Deutschland vor. Ursprünglich war das Flusssystem der Donau als einziges Fließgewässer nicht von Stichlingen bewohnt. Im 19. Jahrhundert wurden die Tiere häufig in Aquarien gehalten und teilweise ausgesetzt. Seitdem gibt es auch in der Donau Dreistachlige Stichlinge.
Obwohl die Bestände zurückgehen, gilt die Art als nicht gefährdet.

Bevorzugte Nahrung

Dreistachlige Stichlinge sind kleine Raubfische, sie ernähren sich von:

  • Würmern
  • Insektenlarven
  • Fischbrut
  • Fischlaich
  • Kleinkrebsen

Größe & Lebenserwartung

Im Süßwasser erreichen die Fische im Durchschnitt eine Länge von fünf bis acht cm. In Fließgewässern werden sie etwas größer als in stehendem Wasser. Die größten Exemplare sind im Salzwasser (Brackwasser) zu finden. Hier können sie bis zu elf cm lang werden.
Dreistachlige Stichlinge haben eine Lebenserwartung von zwei bis drei Jahren.

Fortpflanzung

In der Paarungszeit tragen die Männchen ihr farbenfrohes Hochzeitskleid. Die Unterseite erstrahlt in einem intensiven Orangerot, vom Maul bis zum Schwanzstiel weicht das helle Grau und die Marmorierung verschwindet. Die Oberseite und die Augen färben sich hell Türkis.

Im Vertrauen auf ihre drei Rückenstacheln verzichten die Tiere auf den Schutz dichter Vegetation zum Nestbau. Sie legen ihre Nester auf relativ ungeschütztem Boden an.

Beginnt die Laichzeit, wählen sich die Männchen jeweils ein Revier aus. Die normalerweise friedlich im Schwarm lebenden Fische werden dann territorial und aggressiv. Jeder Artgenosse wird rigoros vertrieben.

Die im Brackwasser von Nord- und Ostsee lebenden Stichlinge wandern zum Laichen in die Unterläufe der Flüsse und suchen sich dort entsprechend ihre Reviere. Nach erfolgreicher Brut ziehen sie zurück in die Meere.

Nestbau

Ist das Revier abgesteckt, sucht das Männchen den günstigsten Brutplatz. Er unternimmt Grabungsversuche an verschiedenen Stellen. An dem Platz, den er als am besten befindet, hebt er eine flache Mulde aus.

Zeitgleich oder im Anschluss schafft er Material zum Nestbau heran. Gern verwenden die Tiere Spirogyra Algen. Findet er nicht ausreichend Algen dieser Gattung, greift er auf andere Algen oder andere feine Baustoffe zurück.

Während er das Material zum zukünftigen Nest transportiert, prüft er es durch mehrmaliges Kauen, Ausspucken und Treibenlassen, ob es sich eignet. Es kommt vor, dass das Männchen ein bereits angefangenes Nest verlässt und an einer anderen Stelle von vorn beginnt. Warum er das tut, ist noch nicht endgültig geklärt. Es ist ebenfalls noch offen, nach welchen Kriterien er sein Baumaterial auswählt.
Häufig wird das Material eines verlassenen Nestes für das neu zu bauende Nest wiederverwendet. Manchmal stibitzt der Baumeister Nistmaterial von seinen Nachbarn.

Das Männchen häuft das Baumaterial in der Nistmulde auf. Anschließend verklebt er es mit einem Sekret seiner Nieren. Zwischendurch stößt er immer wieder mit dem Maul in sein Bauwerk. Maulstöße und Verkleben wechseln sich ab, bis das Nest fest genug und gründlich am Boden verankert ist.

Die eigentliche Nisthöhle formt er mit weiteren seitlichen Maulstößen. Es entsteht eine Vertiefung, die zur Höhle ausgeweitet wird. Den Eingang stabilisiert das Männchen mit zusätzlichem Baumaterial und weiterem Sekret.

Als Abschluss bespuckt er das Nest mit Sand. So gleicht er es der Umgebung an. Schwimmt er hinein und zwängt sich durch die Rückwand wieder hinaus, ist der Bau beendet. Die Bauzeit variiert zwischen einigen Stunden bis zu mehreren Tagen.

Dreistachliger Stichling zwischen Steinen© Rostislav / stock.adobe.com

Dreistachliger Stichling zwischen Steinen

Balz und Eiablage

Ist das Nest fertig, lockt das Männchen ein paarungsbereites Weibchen in die Nähe. Er führt seinen Paarungstanz, bestehend aus Bogensprüngen und Zickzack-Schwimmen, aus. Das Weibchen präsentiert daraufhin ihren prall mit Eiern gefüllten Bauch. Das Männchen weist ihr den Weg zum Nesteingang. Dabei legt er sich auf die Seite.

Das Weibchen laicht im Nest ab und verlässt es über die Rückseite. Währenddessen stochert das Männchen mit „Schnauzentrillern“ an ihrem Rücken und am Schwanzstiel. Nach der Eiablage verlässt das Weibchen das Nest durch die Rückseite und das Männchen befruchtet die Eier.

Gleich danach vertreibt er das Weibchen aus seinem Revier. Oft locken die Männchen anschließend das nächste Weibchen zur Eiablage ins Nest. Jedes Weibchen kann während einer Paarungszeit bis zu sechsmal laichen.

Brutpflege

Um die Brut kümmert sich das Männchen allein. Er platziert sich vor dem Eingang des Nestes und fächelt mit seinen Flossen ständig frisches Wasser zu den Eiern. Fallen Eier heraus, trägt er sie umgehend wieder zurück.
Die Jungen schlüpfen sieben bis zwölf Tage nach der Eiablage. Die ersten Tage verbringen sie im Nest. Eventuelle Ausreißer fängt das Männchen ein und bringt sie zurück.
Während der Brutpflege vertreibt das Männchen sämtliche Artgenossen, einschließlich der Weibchen, aus seinem Revier. Selbst artfremde Fische werden angegriffen.
Die Laichzeit ist sehr anstrengend für die Fische, viele überleben sie nicht.

Merkmale

Ihr Körper ist schlank und seitlich abgeflacht, das Maul oberständig.

Die Bewohner fließender Gewässer sind leicht hochrückiger, als ihre schlanken Artgenossen aus Seen und dem Meer.

Auf einer hellen Grundfarbe zeigt sich ein einfaches schwarzbraunes Marmormuster, wobei der Bauch heller gefärbt ist als der Rücken. Die Stichlinge aus Salzwasserbereichen haben einen ausgeprägten Silberglanz.

Der Dreistachlige Stichling passt seine Farbe dem Lebensraum an. Es gibt auch schwarze und messinggelbe Populationen.

Die Tiere haben keine Schuppen, zum Schutz bilden sie sich überlappende Knochenplatten aus. Drei Varianten der Beschilderung sind bekannt:

  • forma trachurus: Die Fische sind vollständig mit Schilden bedeckt.
  • forma semiarmatus: Die Fische sind unvollständig beschildet.
  • forma leiurus: Die Fische haben wenige Schilde am vorderen Rumpf.

Im Süßwasser lebt forma leiurus, die beiden anderen Formen kommen im Brackwasser vor.
Früher galten die drei Formen als eigenständige Arten. Neuere genetische Untersuchungen haben ergeben, dass alle Varianten einer einzigen Art angehören.

Vor der Rückenflosse befinden sich die drei namensgebenden, aufstellbaren Stacheln. An den Bauchflossen tragen die Tiere jeweils einen weiteren langen Stachel. Diese Stacheln machen es angreifenden Räubern schwer, die Stichlinge zu greifen.

Die geschickten Schwimmer bewegen sich hauptsächlich mit ihren großen Brustflossen fort. Die Schwanzflosse dient einzig der Unterstützung oder zur Flucht.

Außerhalb der Laichzeit leben die Fische in lockeren Schwärmen. Als Schwarmgenossen bevorzugen sie blutsverwandte Tiere.

Verwandte Fischarten

Der Dreistachlige Stichling gehört zur Familie der Stichlinge in der Ordnung der Barschartigen. Es gibt mehrere verwandte Stichlingsarten. In Deutschland kommt ebenfalls der Neunstachlige Stichling vor.

Angeln

Für Angler ist der Dreistachlige Stichling nicht relevant, da er so klein ist, dass er sich nicht wirklich beangeln lässt. Zudem eignet er sich aufgrund der Stacheln nicht als Köderfisch.

 

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