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Rotauge© Irina Orlova / stock.adobe.com

Rotaugen angeln (Rutilus rutilus)

Das Rotauge gilt als echte Delikatesse, obwohl die vielen hartnäckigen Gräten recht unbeliebt sind. In Osteuropa landet der Fisch häufig auf dem Teller. Der scheue Schwarmfisch kann beim Angeln eine Herausforderung sein. Auf was man beim Angeln auf Rotaugen achten sollte, erklären wir euch in diesem Artikel.

Steckbrief

Rotauge Körperbau© yrafoto / stock.adobe.com

Das Rotauge

Körper

  • Körperform: schlank bis hochrückig
  • Maul: endständig
  • Bezahnung: Schlundzähne
  • Schuppen: klein, oval
  • Besonderheiten:
    • Rote Augen
    • Rote Flossensäume
  • Rückenflosse: Geschlossen
  • Spitzname: Plötze
  • Schwanzflosse: groß
  • Mittlere Länge: 15-25 cm
  • Maximale Länge: ca. 50 cm
  • Gewicht: bis 2 kg

 

Lebensweise

  • Lebensweise: Friedfisch, meist am Gewässergrund
  • Lebensraum: Flüsse, Seen und Kanäle in Bereichen mit wenig Strömung

 

Fortpflanzung

  • Laichzeit: Frühjahr (April – Mai)
  • Laichablage: strömungsarme, pflanzenreiche Uferbereiche

Wissenswertes

Das Rotauge trägt den lateinischen Namen Rutilus rutilus. In anderen Gebieten ist der Fisch auch unter dem Namen Unechte Rotfeder, Plötze oder Schwal bekannt. Das Rotauge ist ein Schwarmfisch, der vor allem im Norden Eurasiens weit verbreitet ist und ist äußerst anpassungsfähig. Langsam fließendes und mit Wasserpflanzen bewachsenes Gewässer mag er besonders gerne. Diese Fischart ist auch nicht besonders anfällig für Gewässerverschmutzung oder -veränderungen. Er passt sich leicht an einen neuen Lebensraum an.

Lebensraum

Das Rotauge hat keine großen Ansprüche an seine Umgebung. Sehr häufig lässt sich dieser Fisch in Süßwassergebieten finden. Er scheut das Brackwasser nicht und ist auch in der Nord- und Ostsee beheimatet. Zudem ist der Fisch auch sehr anpassungsfähig und kommt sowohl in stehenden Gewässern wie Seen, als auch in Flüssen, zurecht. Vorzugsweise hält sich das Rotauge aber in langsam fließenden Gewässern auf.

Nur in Regionen, wo auch Forellen zu finden sind, wie Flüsse mit starker Strömung oder in Gebirgsseen, trifft man das Rotauge nicht an. Obwohl es teilweise in Seen vorkommt, die auf 1.000 m Höhe liegen.

Der Schwarmfisch lebt vor allem in Europa nördlich der Alpen und Pyrenäen. Nur in Island, Italien, Teilen von Skandinavien und im Balkan ist der Fisch nicht anzutreffen. Das Rotauge hält sich mit dem Schwarm meist in Ufergebieten auf und mag eine dichte Unterwasservegetation.

Ein großer Schwarm Rotaugen© Michael / stock.adobe.com

Ein großer Schwarm Rotaugen

Bevorzugte Nahrung

Auch bei der Nahrung sind die Fische nicht heikel. Sie fressen vorwiegend Zooplankton und Kleintieren wie Schnecken, Würmer und Insektenlarven. Auch kleine Krebse und Muscheln fressen die Rotaugen gerne. Ansonsten besteht die Nahrung noch aus Wasserpflanzen, wie dem Tausendblatt, der Wasserpest und den Wasserlinsen.

Größe & Lebenserwartung

Die durchschnittliche Größe der Rotaugen liegt bei 15 bis 30 Zentimeter. Sie können aber auch Größen von 25 bis 30 Zentimeter erreichen. Das Rotauge wiegt im Durchschnitt 200 gr bis 2 kg. Manche Exemplare bringen aber auch 3 kg auf die Waage. In Gefangenschaft erreicht ein Rotauge ein Alter von 12 Jahren, in freier Wildbahn werden sie bis zu 14 Jahre oder älter. Über 20 Jahre schaffen es die Tiere jedoch selten.

Diese Tabelle bietet noch eine bessere Übersicht zum Alter, zur Länge und zum Gewicht des Fischs:

Alter (Jahre)Länge (cm)Gewicht (kg)
7200,10
9250,19
10300,40
12350,60
14401
16451,7
18502,1
20552,5

Fortpflanzung

Mit zwei bis drei Jahren sind die Rotaugen bereits geschlechtsreif und legen in den Monaten April und Mai ihrer Eier. Dabei ist auch die Wassertemperatur entscheidend, denn diese sollte nicht unter 10 Grad Celsius betragen. Besonders krautreiche, flache Uferbereiche sind für die Rotaugen attraktive Laichplätze. Dafür unternehmen diese sogar kurze Wanderungen flussaufwärts, um den besten Platz zu finden.

Die Fische legen pro Weibchen 25.000 bis 100.000, umgerechnet pro Kilogramm Gewicht. In dieser Zeit haben die Männchen einen Laichausschlag. Nach fünf bis zehn Tagen schlüpfen die Larven. Verglichen mit anderen Fischen wachsen die Rotaugen recht langsam. Ein zehnjähriger Fisch hat oft nur eine Körpergröße von 20 cm.

Merkmale

An einem hochrückigen Körper mit einer grünlichen Oberseite und einem weißen Bauch kann man das Rotauge bestens erkennen. Zudem sind die Augen leicht rötlich, obwohl sie manchmal mehr goldgelb oder orange sind. Die Flossen sind auch rötlich.

Die Gewässerform hat aber auch Einfluss auf die Körperform. In Flüssen ist ihr Körperbau eher schlank, in Seen ist der Rücken weiterentwickelt und lässt sich als hochrückig bezeichnen. Die Farbe der Schuppen kann hierbei auch variieren. Rotaugen in Flüssen haben meist ein silbriges Schuppenkleid, während ihre Artgenossen in Seen leicht goldig glänzen.

Rotaugen zerkleinern ihre Nahrung mit sogenannten Schlundzähnen, da sie keine Kieferzähne haben.

Verwandte Fischarten

Das Rotauge wird oft mit der Rotfeder verwechselt, zwei Fischarten, die sich auf den ersten Blick wirklich zum Verwechseln ähnlich sehen. Es gibt jedoch ein paar Merkmale, an denen sich die Fische auseinanderhalten lassen.

MerkmaleRotaugeRotfeder
FlossenBauchflosse direkt unter RückenflosseRückenflosse zur Bauchflosse leicht versetzt
Schuppenanzahl Seitenlinie39 – 48 Schuppen an Seitenlinie40 – 42 Schuppen an Seitenlinie
Augenwirklich rote AugenGoldgelb bis Orange
Bauchkanterunde Bauchkantegekielte Bauchkante
Fischmauloberständiges Maulendständiges Maul

Manchmal kommt es vor, dass Angler das Rotauge und den Aland verwechseln. Die Schuppen des Alandes sind jedoch um einiges kleiner und die Augen haben eine gelbe Umrandung.

Ausrüstung

Rute

Für das Fischen nach Rotaugen sind Feederangeln mit feinen Spitzen oder Winkelpickerruten sehr gut geeignet. Leichte Posenangeln (5-6m) mit leichter Stationärrolle und Stippruten (6-8m) mit leichter Montage klappen ebenfalls sehr gut.

Zuckt die Rutenspitze, dann hat der Fisch angebissen. Wer mit der Pose angelt, sollte eine Variante mit einer Tragkraft von 2g wählen und unterschiedliche Tiefen für die Montage testen.

Köder

Die besten Köder für Rotaugen sind definitiv Maden. Am besten bereitet der Angler eine Mischung aus Mistwurm und Made vor, denn damit kann er auch große Exemplare anlocken. Gut funktioniert auch, Zwieback aufzuweichen und dann eine kleine Kugel, um den Haken zu drücken.

Anfüttern ist bei Rotaugen Pflicht, denn als Schwarmfisch lassen sich viele fangen, wenn sie erst einmal angelockt sind. Zu viel Futter ist nicht nötig, da die Fische schnell satt sind. Ordentlich Maden sollten aber im Futter sein. Die Futterkugeln sollte man immer an der gleichen Stelle einwerfen, da der Schwarm sich ansonsten aufteilt.

Feederangeln auf Rotauge mit Futterkorb und Mistwurm© Stepan Khadzhi / stock.adobe.com

Feederangeln auf Rotauge mit Futterkorb und Mistwurm

Schnur

Als Schnur eignet sich vor allem beim Posenangeln eine monofile 0,15er bis 0,16er Schnur. Diese reicht auch aus, um kapitale Exemplare zu fangen. Der Durchmesser von 0,15 sollte nicht unterschritten werden. Wird es im Frühjahr wärmer, kann auch eine Schnur bis zur 0,20er verwendet werden. Das hängt aber natürlich vom Gerät und der Größe der Rotaugen ab.

Rolle

Zu den leichten Ruten passt die kleine Stationärrolle sehr gut. Je weiter der Angler werfen muss, umso größer sollte auch die Rolle sein. Die kleine Rolle hat auch den Vorteil, dass sie nicht so schwer ist und das ist gerade dann ein Segen, wenn der Fischer die Rute lange in der Hand halten muss.

Auch eine Matchrolle eignet sich gut, denn übt man Druck auf die Schnurfangbügel aus, öffnet sich dieser und die Schnur ist frei. Dadurch kann man die Pose noch besser positionieren. Die Technik braucht aber etwas Übung.

Kescher

Um den Fisch dann zu landen, empfiehlt sich der Einsatz eines Keschers. Dieser schont den Fisch, besonders wenn er gummiert ist. Beliebt ist auch der Spundwandkescher, welcher an einer Schnur befestigt wird. So lassen sich fische an Spundwänden oder an steil abfallenden Ufern gut landen. Gerade für größere Fische empfiehlt er sich.

Jahreszeiten

Rotaugen lassen sich das ganze Jahr über fangen. Doch je nach Jahreszeit muss der Angler nach unterschiedlichen Lieblingsplätzen der Fische Ausschau halten und auch unterschiedliche Köder verwenden.

Frühling

Im Frühjahr sind gute Stellen für das Angeln von Rotaugen auf jeden Fall tiefe Seen und große Flüsse. An diesen Stellen sammeln sich die Fische in großen Schwärmen. Gerade sechs bis acht Meter sind eine gute Tiefe.

Als Köder eignet sich in den Frühlingsmonaten vor allem der Mistwurm. Ihre Größe ist optimal, sie haben eine interessante Farbe und einen unwiderstehlichen Duft. Also einfach ein, zwei Würmer an der feinen Posenmontage anbieten, das lockt große Exemplare gut an.

Rotauge auf Wurm als Köder© max5128 / stock.adobe.com

Rotauge auf Wurm als Köder

Sommer

Im Sommer bei heißen Temperaturen sind die Fische in Flüssen mit hoher Strömung anzufinden. Durch das turbulente Wasser steigt der Sauerstoffgehalt und die Rotaugen haben beste Bedingungen.

Sie versammeln sich bei niedrigem Pegel oder starker Hitze im brechenden Wasser. Pellets eignen sich im Sommer als perfekter Köder. Für Rotaugen eignen sich Pellets mit einem Durchmesser von 3 bis 5 mm.

Herbst

Wenn im Herbst die Nächte länger werden, dann sammeln sich die Rotaugen zu größeren Schulen zusammen und suchen tiefe Bereiche in den Gewässern auf. Das sind oft Buhnenkessel in Flüssen oder in Kanälen Häfen.

Im Herbst ist Mais der ideale Köder. In dieser Zeit fürchten sich die Fische nicht vor großen Ködern und lieben den Dosenmais. Am besten gibt man ihn auch dem Futter bei.

Winter

In den kalten Wintermonaten sollte der Angler die Rotaugen an Plätzen suchen, wo eine (Kehr)-Strömung herrscht. Das gilt besonders für Seen. Auch Stellen, an denen das Eis früher taut, sind gut. Der beste Köder für das Fischen im Winter ist Hanf.

Entweder man bereitet ihn vor dem Angeln zu: Dazu über Nacht einweichen und auf kleiner Flamme köcheln lassen. Körner, die aufplatzen und weiß zeigen, sind ideal. Alternativ gibt es auch fertigen Angelhanf im Fachhandel zu kaufen.

Beisszeiten

Tagsüber

Tagsüber angelt man die Fische gut in den heißen Sommermonaten. Besonders vielversprechend sind aber eine Stunde vor der Dämmerung und etwa zwei Stunden nach Sonnenuntergang. Damit ist abends die beste Zeit, um die Fische zu fangen.

Nachts

Größere Rotaugen sind vor allem abends und auch nachts aktiv und beißen zu diesen Zeiten gerne. Wer also auf große Exemplare aus ist, der kann es auch ruhig einmal in der Nacht mit dem Angeln versuchen.

Schonzeiten und Mindestmaße

Die folgende Tabelle zeigt, dass es für das Rotauge in keinem deutschen Bundesland eine geregelte Schonzeit gibt und nur in den wenigsten ein Mindestmaß. Schonzeit bedeutet, dass in dieser keine Fische gefangen werden dürfen. Das Mindestmaß gibt an, wie groß der Fisch mindestens sein muss, damit man ihn fangen darf.

BundeslandSchonzeitenMindestmaß
Baden-Württemberg--
Bayern--
Brandenburg--
Berlin--
Bremen--
Hamburg--
Hessen--
Mecklenburg-Vorpommern (Binnengew.)--
Mecklenburg-Vorpommern (Küstengew.)--
Niedersachsen (Binnengew.)--
Niedersachsen (Küstengew.)--
Nordrhein-Westfalen--
Rheinland-Pfalz-15 cm
Saarland--
Sachsen--
Sachsen-Anhalt--
Schleswig-Holstein (Binnengew.)--
Schleswig-Holstein (Küstengew.)--
Thüringen--

Gewässertypen

Fluss

Im Sommer findet man die Rotaugen im Fluss am liebsten bei starker Strömung. Im Winter hingegen sammeln sich die Fische vor der Laichzeit im Bereich von Wehren. Dort findet man sie in großen Mengen.

Kanal

Die Fische halten sich aber auch gerne in Schifffahrtskanälen mit wechselnden Strömungsrichtungen auf. Dort finden sich starke und große Rotaugen. Hafenausbuchtungen und die Ausweitungen vor und hinter den Schleusen sind beliebte Plätze.

See

Diese Fischart bewohnt auch gerne Seen. Dort findet man sie meist weit draußen am Übergang zur Tiefenschicht. Je nach Jahreszeit und Temperatur bewohnen sie dort die unterschiedlichen Wasserschichten. In der Nähe von Wasserpflanzen fühlen sich die fische besonders wohl.

 

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