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Spinnrolle / Stationärrolle

Beim Angeln in heimischen Süßwasser-Gewässern kann im Groben zwischen drei unterschiedlichen Varianten unterschieden werden. Das Fliegenfischen erfordert eine spezielle Ausrüstung und Technik. Auf den ersten Blick hingegen könnten die beiden anderen Angelarten – Das Spinnfischen sowie das Ansitzfischen – als eine Gruppe gefasst werden. Dennoch unterscheiden sich auch diese beiden Arten zu angeln untereinander derartig, dass für eine gezielte Spezialisierung die meisten Allround Angelruten und sonstigen Geräte nicht ausreichend sind. In diesem Ratgeber wollen wir auf die passenden Rollen für das Spinnfischen eingehen.

Aufbau / Bestandteile einer Spinnrolle

Eine jede Angelrolle besteht im Grundsätzlichen aus einem Rollenkörper / Rotor, einer Kurbel, einer Spule inklusive Bremse, einem oder mehreren Kugellagern, welche das Rollengetriebe betätigen sowie möglichen weiteren kleinen Extras. Eine gute Rolle fürs Spinnfischen sollte folgende Dinge können / berücksichtigen:

  • Das Gewicht der Rolle sollte möglichst gering ausfallen
  • Die Kurbel sollte bequem in der Hand liegen
  • Die Übersetzung zwischen Kurbel und Getriebe muss gut funktionieren (dazu wichtig: gute Kugellager!)
  • Die Übersetzung sollte allerdings auch auf die Zielfische abgestimmt werden
  • Beim Spinnfischen sollte die Kurbel kein Spiel nach hinten aufweisen (wenn die Rücklaufsperre eingeschaltet ist)

Einsatzzweck einer Spinnrolle

Spinnfischen ist eine sehr aktive Variante des Fischens. Ein ums andere Mal wird der Kunstköder ausgeworfen um anschließend eingeholt zu werden. Das entspricht einer ziemlichen Belastung für Mensch und Material. Um den Menschen so gut wie möglich zu entlasten, gilt es, das Material so leicht wie nur möglich zu gestalten. Hier macht auch die Rolle keine Ausnahme. Gleichzeitig muss sie jedoch sehr widerstandsfähig sein, um dieser Dauerbelastung standhalten zu können. Außerdem muss die Köderführung so gut wie möglich gewährleistet sein.

Vor & Nachteile gegenüber einer Multirolle / Baitcasterrolle

Die große Unterscheidung bei Angelrollen kann zwischen Spinnrollen / Stationärrollen und Multirollen / Baitcasterrollen getroffen werden. Viele Angler schwören auf die eine oder die andere Variante. Tatsache ist, dass beide Rollenarten ihre Vor- und Nachteile aufweisen und daher für bestimmte Arten des Angelns zu bevorzugen sind.

Vorteile einer Stationärrolle

  • Allgemeine Kombinationsmöglichkeiten mit sämtlichen Angelruten
  • Geringere Belastung der Handgelenke beim Einkurbeln
  • Einfache Bedienung der Bremse
  • Höhere Wurfweiten
  • Höheres Wurfgewicht
  • Genaueres Zielen beim Auswerfen, auch bei Wind
  • Einfache und kostengünstige Wartung

Vorteile einer Multirolle

  • Perfekter Köderkontakt
  • Äußerst robust
  • Hohe Wurfpräzision
  • Doppeltes Bremssystem
  • Kompakte Bedienung
  • Hervorragend beim Vertikal-Angeln geeignet

Zusammengefasst kann also gesagt werden, dass Stationärrollen einerseits die allgemein einfacher einsetzbare Variante darstellen, aber auch in der Bedienung mit weniger körperlichem Aufwand verbunden sind, weswegen sie die logische Wahl für das Spinnfischen darstellen. Multirollen hingegen können in manchen Fällen eine hervorragende Wahl darstellen, benötigen allerdings einiges an Eingewöhnungszeit.

Welche Schnur auf der Spinnrolle

Neben der Rolle selbst spielt die Schnur beim Spinnfischen eine große Rolle. Es kann im Allgemeinen zwischen monofiler und geflochtener Schnur unterschieden werden.

Monofile Schnur

Unter monofiler Schnur versteht man die klassische Angelschnur. Sie besteht meist aus Kunststoff oder Carbon. Sie ist die universell einsetzbare und einfach zu bedienende Angelschnur. Es ist stets darauf zu achten, die Rolle nicht zu voll zu bespielen, da sonst die Schnur einfach von der Rolle hüpfen kann. Monofile Schnüre haben allerdings bei gleichem Durchmesser eine geringere Tragkraft wie geflochtene Schnüre. Insbesondere beim Spinnfischen, wo die Schnur üblicherweise meist auf Zug gehalten wird, kann dies dafür sorgen, dass die Fische die Schnur einfacher sehe und sich dadurch aufschrecken lassen. Wird eine monofile Schnur gewählt, sollte diese entsprechend des Gewässers gefärbt sein, damit sie von den Fischen weniger einfach wahrgenommen wird.

Geflochtene Schnur

Inzwischen sind geflochtene Schnüre der Standard beim Spinnfischen. Mehrere dünne Schnüre werden zu einem dickeren Strang geflochten. Dies resultiert ein einer höheren Tragkraft im Vergleich zu monofilen Schnüren. Dadurch können dünnere Schnurstärken gewählt werden, wodurch die Schnur beinahe unsichtbar wird. Allerdings neigen geflochtene Schnüre dazu, einfacher von der Spule zu springen und sich zu verwirren. Um dies zu verhindern muss eine Rolle mit einer guten Schnurverlegung gewählt werden.

Bremssystem bei Spinnrollen

Spinnrollen können zwei unterschiedliche Arten von Bremssystemen aufweisen. Dies sind Front- sowie Heckbremesen. Die größere Verbreitung finden Frontbremsen: Hier wird die Bremsscheibe auf der Spule händisch auf eine bestimmte Stärke festgedreht. Die Vorteile liegen in einer langen Lebensdauer und einer stärkeren Bremskraft. Heckbremsen haben hingegen zwar kleinere Bremsscheiben, was sich in einer geringeren Bremskraft widerspiegelt, können allerdings mit nur einem Handgriff zwischen Stärken umgestellt werden. Für den Einsteiger wird stets ein Fronbremsensystem die richtige Wahl sein, bei Fortgeschrittenen und Profis können die Heckbremsen mit den unterschiedlichen Einstellungen den Drill erheblich vereinfachen.

Übersetzung bei Spinnrollen

Jede Angelrolle hat eine Übersetzung in ihren Merkmalen angegeben. Eine hohe Übersetzung bedeutet, dass der Köder schneller eingeholt werden kann. Eine niedrige Übersetzung ist dann nötig, wenn man auf Fischarten angelt, welche einen langsam geführten Köder bevorzugen. Fische wie Rapfen, Forellen oder auch Barsche im Sommer lieben schnell geführte Köder. Eine Übersetzung von 6,1:1 ist hier zu empfehlen. Hechte oder Zander hingegen bevorzugen langsam geführte Köder. Würde man hier mit derselben Rolle angeln, würde man die Köder an den Fischen vorbeiziehen, bevor diese Zeit hatten sich die mögliche Beute genauer zu betrachten. Eine Übersetzung von 4,9:1 ist hier eine gute Wahl.

Wartung einer Spinnrollen

Spinnrollen sind überraschend einfach in ihrer Wartung. Vor allem wenn die Rolle nur im Süßwasser verwendet wurde, ist kaum eine Wartung nötig. Es reicht, die Rolle einmal jährlich unter fließendem Wasser zu reinigen, trocknen und mit ein wenig Öl bei dem Schnurlaufröllchen, Rollenbügel und Kurbel zu versehen. Wird die Rolle im Salzwasser verwendet sollte die Rolle nach jedem Einsatz unter fließendem Wasser gereinigt werden, um jegliche Salzablagerung zu vermeiden.

Im Allgemeinen sollte vermieden werden, Stationärrollen zu zerlegen, da vor allem billige Exemplare dazu neigen, nicht korrekt wieder zusammengebaut werden zu können. Es kommt vor, dass sich einzelne Guß- oder Pressteile leicht verformen, wodurch ein korrekter Betrieb nicht mehr gewährleistet ist. Daher sollten im Bedarfsfall größere Wartungsarbeiten stets von Fachleuten durchgeführt werden.

Wird die Spinnrolle über längere Zeit nicht verwendet, sollte darauf geachtet werden, dass die Bremse gelockert wird. Nur so kann die Feder bestmöglich geschont werden. Ansonsten könnte es vorkommen, dass die Feder an Spannung verliert und so die Bremse nicht mehr wie gewohnt arbeiten kann.

Rollengrößen

Je nachdem auf welche Fischart primär geangelt wird, sollten unterschiedliche Rollengrößen gewählt werden. Die Rollengrößen zeigen an, welches Fassungsvermögen von welcher Schnurstärke auf dieser Rolle vorhanden ist. So hat eine 2500er Rolle ein Fassungsvermögen von 100 Metern bei einer Schnurstärke von 0,25, eine 4000er Rolle hingegen ein Fassungsvermögen von 100 Metern bei einer Schnurstärke von 0,4. Bei der Rollengröße ist allerdings darauf zu achten, dass sich nicht alle Hersteller an diese Angaben halten, sodass es nötig sein kann, sich hier gezielt zu erkundigen, welchen Größen diese Rollen entsprechen.

Fische wie Barsch, Forelle oder Zander können bereits mit Rollen in der Größenkategorie 1000-2000er geangelt werden. Angler mit Fokus auf Hecht, Rapfen, Dorsch oder Lachs hingegen sollten 3000-4000er Rollen bevorzugen. Huchen oder Wels, sowie andere große und kampfstarke Raubfische sollten nur mit einer 5000er Rolle gezielt befischt werden.

Möchte man eine möglichst universal einsetzbare Rolle, so empfiehlt es sich eine Rolle im Bereich zwischen 2000 und 3000 zu wählen. Selbst große Hechte können mit dieser Schnurstärke in aller Regel sicher gelandet werden.