Bleifrei Angeln: Alternativen zu Blei beim Angeln

Christoph Hein
Aktualisiert am 13.01.2023

Bleifrei Angeln: Alternativen zu Blei

Das Angeln mit Bleigewichten hat Tradition. Doch aus heutiger Sicht gibt es Alternativen, die deutlich umweltverträglicher sind. Seehunde, Fische und Vögel können durch verlorenes Angel-Blei vergiftet werden. Wegen der Feststellung erhöhter Bleikonzentrationen im Blut von Tieren steht in vielen Ländern ein Bleiverbot im Raum.

Angel-Blei dient bekanntlich als Auswurfhilfe. Es gewährleistet außerdem, dass der Köder unter der Wasseroberfläche verbleibt. Angel-Blei kann normalerweise jahrzehntelang verwendet werden. Blei-Abrieb ist jedoch toxisch. Geht Angel-Blei verloren, weil der Angelhaken irgendwo hängen bleibt, vergiftet das Blei möglicherweise das Wasser der Umgebung. Es gefährdet sämtliche Organismen, die mit dem Wasser in Berührung kommen.

Ein einzelnes Angel-Blei wäre nicht problematisch. Doch es wurde ermittelt, dass Angler und Fischer jedes Jahr EU-Gewässer mit bis zu 7.000 Tonnen Angelblei belasten. Insbesondere beim Karpfen-Angeln, beim Brandungs- und Meeresangeln und beim Angeln auf Raubfische gehen viele Köder samt Bleigewicht verloren. Das könnte ein Problem mit weitreichenden Folgen nach sich ziehen.

Vor- und Nachteile von Blei

Der größte Vorteil von Blei ist sein hohes Gewicht bzw. seine hohe Dichte. Es braucht nur ein kleines Stück Angel-Blei, um die Wurfeigenschaften des Köders zu verbessern und die gewünschte Köder-Absenkung zu bewirken. Zudem sind Angelbleie preiswert.

Blei besitzt sehr gute Eigenschaften, um Köder und Montage weit zu werfen
Blei besitzt optimale Eigenschaften, um Köder und Montage weit zu werfen

Als größter Nachteil ist zu sehen, dass Blei ein toxisches Schwermetall ist. Es wirkt durch Abrieb oder als Futter genossen schädlich auf die Fortpflanzungsfähigkeit von Lebewesen. Es schädigt außerdem das Nervensystem, den Verdauungsapparat, die Blutkörperchen und die Nieren. Einmal aufgenommene Schwermetalle sind zudem nur schwer wieder aus dem Organismus zu entfernen.

Daher wurden Silvester-Bleigießen oder verbleites Benzin verboten. In einigen Ländern werden auch Angelbleie mittlerweile verboten. Dazu weiter unten mehr. Es ist zu erwarten, dass auch die EU ein Angelblei-Verbot erlassen wird. Es wird bereits seit Längerem an einem entsprechenden Entwurf gearbeitet. Angler tun gut daran, nach ungiftigen Alternativen zu suchen.

Auswirkungen von Angel-Blei auf die Umwelt

Verlorenes Angel-Blei kann über saures Wasser, in dem das weiche Schwermetall Metallionen abgibt, zur Gefahr für in Wassernähe lebende Lebewesen und Organismen werden. Bei entsprechenden Untersuchungen wurden teils hohe Bleikonzentrationen im Blut von Fischen, Seehunden oder Vögeln ermittelt. Noch gravierender ist: Angel-Blei in Körnergröße wird von Vögeln oder Seehunden gefressen. Über die Nahrungskette könnte das Blei auch auf unserem Essteller landen.

Schwan schluckt Steine zur besseren Verdauung
Schwan schluckt Steine zur besseren Verdauung

Als toxisches Schwermetall lagert sich Blei vor allem in fettreichen Geweben wie Leber und Gehirn ab. Wie giftig Angel-Blei werden kann, belegt der Tod von 50 Schwänen, die auf einem See bei Seattle ihren Lebensraum hatten. Diagnose: Bleivergiftung. Auch bei Wiener oder Londoner Schwänen wurden Symptome gefunden, die auf eine Bleivergiftung schließen ließen.

Der Schutz von Gewässern muss zukünftig höhere Priorität erhalten. Auch die Bleikonzentration in europäischen Gewässern gehört auf die Agenda. Für Angelfreunde kann ein Verbot von Bleigewichten aber dazu führen, dass sie teurere Alternativen für das gewohnte Senkblei anschaffen müssen. Das stößt nicht überall auf Gegenliebe.

Gibt es umweltverträglichere Alternativen zum Angel-Blei?

Tatsächlich existieren bereits mehrere umweltverträgliche Alternativen. Auch sie haben gewisse Vorteile und einige Nachteile.

  • Stahlgewichte sind wegen ihrer geringeren Dichte größer als Bleigewichte. Dennoch verwenden umweltbewusste Angler unbeschichtete Angelgewichte auf Stahlbeton-Basis oder sogenannte Steelangler.
  • Eisengewichte rosten. Sie geben ebenfalls Metallionen an Gewässer ab. Zudem hat Eisen im Vergleich mit Angel-Blei eine deutlich geringere Dichte. Manche Angler verwenden korrodierte Eisenmuttern in den Größen M24 (rund 95 Gramm), M27 (rund 140 Gramm) oder M30 (rund 210 Gramm). Muttern sind preiswert. Sie eignen sich gut als Angelgewicht.
  • Kunststoffgewichte sind zu leicht. Kunststoffe enthalten zudem Weichmacher. Potenziell wäre es zwar möglich, Angel-Blei mit Kunststoff zu ummanteln. Doch Kunststoffe stehen als Gewässer-Verschmutzer ebenso in der Kritik wie Schwermetalle.
  • Granit hat als Angelgewicht eine zu geringe Dichte. Während Blei eine Dichte von 11.340 kg/m³ hätte, hätte ein gleich großes Stück Granit nur eine Dichte von 2.800 kg/m³. Trotzdem bietet sich mit “Fishstones” eine gute Alternative. Zudem haben Steine einen unschlagbaren Vorteil: Sie lassen sich gut in geeignete Halterungen einfügen und stellen bei Verlust keine Belastung für die Gewässer und Lebewesen dar.
  • Betongewichte sind relativ umweltfreundlich, aber wegen ihrer Größe für viele Zwecke wenig geeignet. In Verwendung sind jedoch sogenannte Ufosinker.
  • Tungsten- bzw. Wolfram-Angelgewichte sind besonders für das Fliegenfischen vorteilhaft. Sie haben zudem eine höhere Dichte als Blei. Tungsten-Angelgewichte sind jedoch teuer, weil Wolfram in der Natur nicht in einer soliden Reinform vorkommt. Es muss erst zu Pulver vermahlen und in einem kostenträchtigen Verfahren in eine feste Form gebracht werden. Am Ende ist der Preisunterschied zwischen Tungsten und Angel-Blei erheblich. Tungsten-Angelgewichte kosten bei gleichem Gewicht etwa fünfmal mehr als Angelbleie.
Angeln ohne Blei
Angeln ohne Blei

Bleiverbote sind in einigen Ländern bereits Realität

Briten, Schotten und Iren müssen bereits seit 1986 beim Angeln Alternativen zum Angelblei nutzen. Dänemark und die USA haben ein Verbot erlassen. Pläne für ein EU-weites Verbot von Angelbleien und Bleikugeln beim Jagen sind schon seit Jahren in Arbeit.

Mangels konkreter EU-Vorgaben oder Gesetze werden entsprechende Verordnungen auf Landesebene bisher nur teilweise angewendet. Konkrete Regelungen zur Verwendung von Angel-Blei gibt es aber schon in Dänemark, Großbritannien und den USA.

In Dänemark besteht schon seit 1998 ein Verbot, Angelblei zu verkaufen und zu verwenden. Die Nutzung bezog sich aber zunächst nur auf in Dänemark gekauftes Angel-Blei. Potenziell könnten deutsche Touristen ihre Angeln also weiterhin mit einheimischen Bleigewichten bestücken. Doch wie wollte ein deutscher Angler bei Kontrollen beweisen, dass seine Bleigewichte aus deutschen Läden stammen? Ein Verzicht auf freiwilliger Basis scheint klüger zu sein.

Der amerikanische “US Fish and Wildlife Service” erließ ein generelles Verbot für Angel-Blei. Dieses trat im Januar 2022 flächendeckend in Kraft. Es gilt für sämtliche Gewässer der Vereinigten Staaten. Erlassen wurde das Dekret noch von Präsident Obama. Doch die “American Sportfishing Association” will mit Entschiedenheit gegen diese Verordnung kämpfen.

Briten, Iren und Schotten haben es schon seit 1986 mit einem Verbot von Angelbleien zu tun. Dieses betrifft vor allem Angel-Blei, das weniger als 28,3 Gramm wiegt. Der Grund: Kleine Angelbleie werden vermehrt von Seevögeln gefressen. Nachdem einige der königlichen Schwäne in Großbritannien an Bleivergiftungen verendet waren, wurde die Verwendung von Bleischrot landesweit verboten. Die Briten kaufen seither bleifreies Angel-Blei.

Studie am Eixendorfer See zeigt Ausmaß der Blei-Verschmutzung auf

Für eine Studie wurde der Eixendorfer See (541.000 m²) im Zuge einer Trockenlegung 2021 auf die Verschmutzung durch Angelköder (Köder, Gewichte, Schnur, etc) untersucht. Insgesamt wurden dabei 2.409 Gegenstände gefunden, die Blei enthalten. Dabei ist zu erwähnen, dass es hier ein nicht zu unterschätzende Dunkelziffer gibt, da viele Gewichte, Köder und Ähnliches sowohl im Schlamm als auch zwischen Steinen unentdeckt bleiben.

TUM-Studie zeigt Ausmaß von Angler-Müll in Binnengewässer auf
TUM-Studie zeigt Ausmaß von Angler-Müll in Binnengewässer auf

Link zur Studie: https://www.mdpi.com/2076-3298/9/11/144/htm

Wie sieht es momentan in Deutschland aus?

In Deutschland nutzen viele Angler bereits bleifreie Angelgewichte – allerdings häufig, ohne es zu wissen. Zum einen stellt der britische Hersteller „Dinsmores“ sowohl die bleihaltigen als auch die bleifreien Angelgewichte her. Er darf die bleihaltigen Angelbleie jedoch nicht innerhalb Großbritanniens verkaufen. Nach Deutschland und in andere EU-Länder aber wohl.

Zum anderen mussten die deutschen Angler bisher nur im Ausland Verbote oder Verordnungen im Hinblick auf Angel-Blei beachten. Wer jedoch fortan auf bleifreie Angelgewichte achtet, muss nicht für jedes Land, in dem er als Angler oder Fliegenfischer seiner Passion nachgeht, die dort erlassenen Regeln und Gesetze kennen. Es ist zu bemerken, dass viele deutsche Angler längst umweltbewusster agieren. Sie sind sich über das Gefahrenpotenzial von Bleigewichten im Klaren.

Trotzdem sollte man bei diesem Thema relativieren, stellt Dr. Thomas Meinelt, seines Zeichens als Wissenschaftler am “Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei” tätig – und selbst passionierter Angler – fest. Er hält ein Verbot für Angel-Blei in Deutschland für unnötig. Der Grund: Abgerissene Bleigewichte sinken ins Sediment. Sie bilden dort eine nur schwer lösbare Bleisulfid-Oberfläche, die das Bleigewicht quasi vor Abrieb bewahrt.

Gefährlich sind abgerissene Angelgewichte aus Blei nur, wenn sie sich durch Abrieb oder säurehaltige Gewässer auflösen. Letzteres wäre bei versauerten Seen durchaus möglich. Auch die Magensäure wäre beim versehentlichen Verschlucken von Bleischrot eine Gefahrenquelle. Doch versauerte Seen sind laut Dr. Meinelt lebensfeindliche Gewässer. In diesen könnten kaum Fische überleben.

Meinelt weist außerdem darauf hin, dass Bleigewichte durch chemische Reaktion durchaus zu gefährlichen, weil organischen Bleiverbindungen werden können. Solche Bleiverbindungen waren früher weitverbreitet. Sie wurden beispielsweise als inzwischen verbotenes “Anti-Klopf-Mittel” in Ottomotoren eingesetzt. Das darin enthaltene Blei war tatsächlich deutlich gefährlicher für Gewässer. Es konnte daher größere Umweltschäden anrichten.

Dr. Meinelt verweist darauf, dass viele Wasservögel versehentlich Bleischrot als Nahrung aufnehmen und dadurch krank werden können. Wenn das in belasteten Gewässern festgestellt wird, besteht aus seiner Sicht tatsächlich Handlungsbedarf. Eine generelle Gefahr für Fischer und Berufsfischer sieht der Forschungsgruppenleiter am Berliner “Leibnitz Institut” jedoch nicht. Thomas Meinelt befürwortet daher kein generelles Bleiverbot in Deutschland.

Andere Schwermetalle oder Chemikalien sind aus seiner Sicht für höhere Gewässerbelastungen verantwortlich. Für sie wären Verbote nach seiner Ansicht sinnvoller. Die jahrelange Diskussion innerhalb der EU-Gremien oder der “Europäischen Chemikalienagentur” (ECHA) dreht sich vermutlich um strittige Fragen wie diese. So gesehen gehören andere Schwermetalle, Kunststoffe und illegaler Chemikalieneintrag tatsächlich zu den wichtigeren Themen.

Folgt man Dr. Meinelts Sichtweise, wäre es jedoch sinnvoll, in flachen Uferzonen und in der Nähe von Meeresschutzzonen, in Gewässern, die nahe von oder in Naturschutzgebieten, Watten und Vogelschutzgebieten liegen, grundsätzlich auf die Verwendung von bleihaltigem Angel-Blei zu verzichten. Fakt ist jedoch, dass die “Europäische Chemikalienagentur” (ECHA) plant, folgenden Vorschlag an die zuständigen EU-Gremien zu übergeben:

  • ein Verkaufs- und Nutzungsverbot für Angel-Blei, das kleiner als 50 Gramm ist, in drei Jahren
  • ein Verbot von bleihaltigem Angelgewicht mit einem Gewicht von mehr als 50 Gramm in fünf Jahren
  • sowie ein sofortiges Verbot für sämtliche Angeltechniken, die den Verlust von Bleigewichten beinhalten oder bewusst in Kauf nehmen.

Quellen:

 

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Quellen aller Bilder aus diesem Artikel (Reihenfolge aus Artikel)

  • Blei besitzt sehr gute Eigenschaften, um Köder und Montage weit zu werfen: Hakan / stock.adobe.com
  • Schwan schluckt Steine zur besseren Verdauung: YesPhotographers / stock.adobe.com
  • TUM-Studie zeigt Ausmaß von Angler-Müll in Binnengewässer auf: Aquatic Systems Biology Unit, TUM School of Life Sciences, Technical University of Munich, 85354 Freising, Germany
  • Bleifrei Angeln: Alternativen zu Blei: fishstone.de

Christoph beim Angeln

Über den Autor

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