Angelwetter: Welchen Einfluss hat das Wetter auf's Angeln?

- Aktualisiert am

Beißen die Fische an? Das ist die Frage, die Du Dir immer stellst. Voller Vorfreude bereitest Du Dich auf einen großartigen Angeltag vor, der Zielfisch steht fest und Deine bevorzugte Rute passt zu Deinem besten Köder. Und dann das: Du sitzt da und siehst zu, wie die Angel ins Leere läuft, ohne dass ein einziger Fisch anbeißt. Am Ende des Tages fragst Du Dich: “Was habe ich falsch gemacht?” Und die Antwort, die Du Dir gibst, lautet: “Es liegt am Wetter!”
…
Wetterdaten werden geladen …
Angelwetter kurz erklärt
Wenn man sich auf einen Angelausflug begibt, ist das Wetter ein wichtiger Faktor. Die meisten Angler wissen, dass es bestimmte Wetterbedingungen gibt, die für eine erfolgreiche Angeltour besser geeignet sind als andere. Aber wie genau beeinflussen die verschiedenen Wetterbedingungen den Fangerfolg?
Die Wassertemperatur ist ein wichtiger Faktor beim Angeln. Viele Fischarten sind bei niedrigen Temperaturen träge und neigen damit weit weniger dazu, an den Haken zu gehen. Andere Fische, wie zum Beispiel Forellen, sind bei eher kalten Wassertemperaturen agil, da sie mehr Energie verbrennen müssen, um eine passende Körpertemperatur aufrechtzuerhalten. Die Lufttemperatur ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Wenn es sehr heiß ist, können die Fische in tieferen Gewässern verbleiben, wo das Wasser kühler ist. Wenn es sehr kalt ist, stehen die Fische im Flachwasser, wo das Wasser wärmer ist.
Ebenso ist die Windstärke ein wichtiger Faktor beim Angeln. So kann der Wind das Gewässer aufwirbeln und die Sicht des Fisches behindern. Es kann auch die Aktivität der Fische beeinflussen. Manche Fische stehen im Wind, weil es ihnen beim Insektenfang hilft. Andere Fischarten werden vom Einfluss des Windes beunruhigt oder in ihrer Orientierung beeinträchtigt. Neben den eigentlichen Wetterfaktoren ist auch die Tageszeit ein weiterer wichtiger Faktor bei der Fischaktivität. Fische, die nach Insekten suchen, beißen besser in der Morgendämmerung und am Abend. Andere Fischarten sind aufgrund ihres Verhaltens zur Nahrungssuche eher tagsüber zu erbeuten. Auch der Einfluss von Sonne und Mond ist bei der Prognose zum Angelerfolg zu berücksichtigen.
Das alles bedeutet nicht, dass man nur bei perfektem Wetter angeln sollte. Man kann auch bei ungünstigen Bedingungen Erfolg haben. Aber es ist wichtig, zu verstehen, wie das Wetter den Erfolg beeinflussen kann. Hierzu werfen wir zunächst einen Blick auf die einzelnen Wetterfaktoren, die das Verhalten der Fische beeinflussen. Anschließend gehen wir der Frage nach, wie diese Faktoren die Fische zum Biss bringen. Zu guter Letzt sprechen wir über die besten Wetterbedingungen zum Angeln und darüber, was Du tun kannst, um das Beste aus Deinem Angelausflug zu machen.
Welche Angelwetter-Faktoren gibt es?
Wie wir aus dem Erfahrungsschatz von erfolgreichen Anglern wissen, kann das Wetter den Angelerfolg auf verschiedene Weise beeinflussen. Einige natürlich vorkommende Faktoren in der Umgebung der Fische haben Auswirkungen auf ihr Verhalten. Diese Angelwetter-Faktoren sind:
- Sonne
- Regen
- Wind
- Luftdruck
- Nebel
- Gewitter
- Hitze
- Kälte
Diese Angelwetterfaktoren stellen umgangssprachlich die Erlebniswelt des Anglers dar. Genauer gesagt handelt es sich dabei um einen Teil der abiotischen Umweltfaktoren der Angelfische, die durch das Klima beeinflusst werden. Aktuelle Beobachtungswerte, in eine Wetterkarte aufgetragen, erlauben die eigentliche Prognose eines günstigen Angelwetters über den Einfluss der Wetterelemente.
Drei davon wiegen am schwersten, weil sie direkt auf den Stoffwechsel und die Sinnesorgane der Fische wirken: Temperatur, Wind und Luftdruck. Sie kommen zuerst. Danach folgen Licht, Regen, Gewitter und Nebel, die ihre Wirkung vor allem über Sicht und Sauerstoff entfalten. Hitze und Kälte behandeln wir weiter unten im Jahreslauf, denn dort kommt es weniger auf die absolute Temperatur an als darauf, ob sie zur Jahreszeit passt.
Temperatur
Nahezu alle Arten der Fische sind Kaltblüter, die ihre Körpertemperatur nicht regulieren können (Ausnahmen: Thun, Schwertfisch, Gotteslachs). Das bedeutet, dass sie gezwungen sind, ihren Stoffwechsel an die Temperatur des sie umgebenden Wassers anzupassen. In kälteren Gewässern neigen die Fische dazu, langsamer zu werden, und benötigen im Allgemeinen weniger Nahrung, um sich zu ernähren. In wärmeren Gewässern sind sie viel aktiver und benötigen daher deutlich mehr Nahrung für ihr Überleben.
Ein weiterer Punkt: Als Kiemenatmer sind Fische darauf angewiesen, dem Wasser gelösten Sauerstoff zu entziehen. Die Löslichkeit von Sauerstoff im Wasser ist temperaturabhängig und nimmt mit steigender Temperatur ab. Folglich enthalten kältere Gewässer weniger Sauerstoff als wärmere Gewässer.
Für jede Fischart kann damit eine untere Temperaturgrenze bestimmt werden, bei der sie nicht mehr fressen, und eine obere Grenze, bei der die Kiemenatmung eingeschränkt wird. Wenn bekannt ist, wie sich die Wassertemperaturen verändern, kann dies für den Fangerfolg, den entscheidenden Unterschied ausmachen.

Der Einfluss des Wetters auf die Wassertemperatur
Die Wassertemperatur eines Gewässers wird hauptsächlich durch die Sonneneinstrahlung im Laufe der Jahreszeiten bestimmt. Tägliche Veränderungen ergeben sich aus dem Stand der Sonne, insbesondere in den Sommermonaten. Die Wassertemperatur erreicht in der Regel in den Abendstunden ihren Höchststand.
Ein drastischer Abfall der Wassertemperatur kann durch Niederschläge verursacht werden. Ferner wird die Trübung durch starke Regenfälle verursacht und der Nährstoffeintrag von organischem Material durch Abschwemmung gefördert. Diese Auswirkungen nehmen zu, je kleiner der Wasserkörper ist.

Wind
Der durch einen starken Wind verursachte Wellengang sorgt für eine starke Wasserzirkulation an der Wasseroberfläche. Dies bedeutet einen höheren Sauerstoffeintrag, vorwiegend auf der dem Wind zugewandten Uferseite. Da in Deutschland die Windrichtungen West und Südwest am häufigsten vorkommen, sind meist die Ost- und Südostufer betroffen. Die Wirkung des Windes auf das Fischverhalten verstärkt sich bei Sauerstoffmangel (Extremfall: Algenblüte im Hochsommer).
Windrichtung: Was ist am Ostwind dran?
“Wenn der Wind kommt aus dem Osten, beißen weder Fisch noch Frosten.” Kaum eine Anglerregel hält sich so hartnäckig. Und kaum eine wird so oft missverstanden.
Der Fisch im Wasser weiß nicht, aus welcher Richtung der Wind weht. Was er merkt, sind die Folgen: Wellengang, Sauerstoffeintrag, Trübung, Temperatur und vor allem der Luftdruck. Ostwind bringt in Mitteleuropa meist kontinentale Luft aus einem stabilen Hoch. Trockene Luft, klarer Himmel, hoher Luftdruck. Genau die Wetterlage also, bei der Fische ohnehin zurückhaltend sind.
Praktisch heißt das: Schau nicht auf die Windfahne, sondern auf die Luftdruckkurve. Genau das nimmt Dir die Wetterampel oben ab, denn sie bewertet den Trend der letzten 24 Stunden und nicht die Himmelsrichtung.
Ein Punkt spricht trotzdem für den Wind als eigenen Faktor, und zwar am Ufer: Wind drückt Plankton und damit Futterfische an die zugewandte Seite. In Deutschland herrschen West und Südwest vor, deshalb lohnen sich meist die Ost- und Südostufer. Bei Ostwind kehrt sich das um. Wer dann am gewohnten Platz sitzt, angelt an der falschen Uferseite.
Luftdruck
Wenn es etwas gibt, das die Fische in einen Fressrausch versetzen kann, dann ist es eine Veränderung des Luftdrucks. Plötzliche Wetterumschwünge führen zu raschen Änderungen des Luftdrucks, und genau deshalb sind dies die besten Momente, um Deine Angel auszuwerfen.
Der Luftdruck ist dabei die Kraft, die von der Erdatmosphäre auf ein bestimmtes Gebiet ausgeübt wird. Man kann ihn sich als “das Gewicht der Luft” vorstellen. Dabei beträgt der mittlere Luftdruck der Atmosphäre auf Meereshöhe ungefähr 1 bar. Alles, was darüber liegt, gilt als hoch, und alles, was darunter liegt, als niedrig.
Hierbei ist es nicht erforderlich, sich auf absolute Zahlen zu konzentrieren, denn auch Fische achten nicht darauf. Was beachtet werden sollte, ist, dass die Atmosphäre auf die Erdoberfläche drückt und dass dies gleichermaßen für ein Gewässer gilt. Dieser Druck und die Druckänderungen im Gewässer wiederum üben ihren Einfluss auf die Fische aus, die dort leben.
Wie reagieren Fische auf Veränderungen des Luftdrucks?
Fische haben zwei Möglichkeiten, Druckänderungen zu erkennen: die Seitenlinie und die Schwimmblase. Die Seitenlinie dient der Wahrnehmung kleinster Druckveränderungen und wird hauptsächlich zur Orientierung und zum Aufspüren von Räubern und Beutetieren eingesetzt. Die Schwimmblase ist in erster Linie ein Auftriebsorgan. Je größer die Schwimmblase ist, desto empfindlicher reagiert sie auf Veränderungen des Luftdrucks. Die Forelle, die mit einer relativ großen Schwimmblase ausgestattet ist, verhält sich daher bei starken Wetterwechseln entsprechend unruhiger. Steigender Luftdruck bedeutet, dass der Himmel klar ist und gutes Wetter vorhergesagt wird. Sinkender Luftdruck ist ein Zeichen dafür, dass ein Sturm oder eine Kaltfront bevorsteht. Fische können sich also auf kommende Hoch- und Tiefdruckgebiete vorbereiten.
Licht und Sonne
Die meisten Raubfische jagen auf Sicht, aber sie haben kein Augenlid. Gegen grelles Licht können sie nichts tun außer auszuweichen. Deshalb gilt die Faustregel: weniger Licht, mehr Bisse.
- Dämmerung: die klassische Beißzeit. Räuber sehen ihre Beute noch, die Beute den Räuber kaum
- Bedeckter Himmel: streut das Licht und verlängert die Dämmerungswirkung über den ganzen Tag
- Pralle Mittagssonne: Fische ziehen in den Schatten, unter Seerosen, an Stege oder ins tiefere Wasser
- Klares Wasser plus Sonne: die schwierigste Kombination, weil der Fisch auch Schnur und Vorfach sieht
Bei viel Licht musst Du deshalb nicht aufhören, sondern umdenken: dünneres Vorfach, natürlichere Köderfarben, Schattenkanten anwerfen statt der freien Fläche. Am Mittag steht der Fisch selten dort, wo er morgens stand.
Regen
Regen ist der am meisten unterschätzte Faktor, weil die meisten Angler dann zu Hause bleiben. Genau darin liegt die Chance.
Leichter Regen trägt Sauerstoff ein, trübt das Wasser und spült Nahrung ein. Die Oberfläche wird unruhig, der Fisch fühlt sich sicherer und zieht ins Flache. Für Raubfische ist das eine Einladung.
Dauerregen kippt die Wirkung. Das Wasser kühlt schnell ab, besonders in kleinen Gewässern, und die Trübung wird so stark, dass Sichtjäger ihre Beute nicht mehr finden. Dazu steigt der Pegel und die Strömung nimmt zu.
| Regenlage | Wirkung | Was jetzt zieht |
|---|---|---|
| Nieselregen | ideal, Sauerstoff und leichte Trübung | alles, besonders Spinnfischen |
| Leichter Regen im Sommer | kühlt das Flachwasser, bringt Aktivität | Oberflächenköder, Wobbler |
| Dauerregen | Abkühlung, starke Trübung | Naturköder am Grund, grelle Farben |
| Nach dem Regen | oft die beste Phase überhaupt | Spinnfischen an der Einmündung |
Mehr dazu steht im eigenen Ratgeber zum Angeln bei Regen.
Gewitter
Vor einem Gewitter fällt der Luftdruck schnell und deutlich. Das ist die Wetterlage, bei der viele Angler den Fang ihres Lebens machen. Die Fische spüren den Druckabfall über Schwimmblase und Seitenlinie und fressen, solange es geht.
Während des Gewitters ist es vorbei. Blitzschlag, Donner und der plötzliche Kaltwassereintrag durch Starkregen stellen das Fressen ein. Danach dauert es je nach Gewässer einige Stunden, bis die Fische zurückkommen.
Nebel
Nebel entsteht, wenn feuchte Luft über kälterem oder wärmerem Wasser abkühlt. Für den Angler ist er vor allem eines: gedämpftes Licht bei gleichzeitig ruhiger Wetterlage.
Im Herbst ist Morgennebel häufig ein gutes Zeichen. Er gehört meist zu einer stabilen Hochdrucklage mit windstillen Nächten, und er verlängert die Dämmerung um ein bis zwei Stunden. Raubfische bleiben dadurch länger im Flachen.
Ein Haken bleibt: Auf dem Boot wird Nebel schnell gefährlich, weil jede Orientierung fehlt. Wer bei Nebel rausfährt, braucht Kompass oder Kartenplotter und muss damit rechnen, selbst nicht gesehen zu werden.
Mond und Solunar: Wie viel steckt dahinter?
Die Wetterampel oben rechnet die Mondphase mit ein. Das lohnt eine Erklärung, denn beim Mond liegen belastbares Wissen und Anglerlatein besonders dicht beieinander.
Die Solunartheorie
Der US-Amerikaner John Alden Knight stellte 1926 die These auf, dass Sonne und Mond die Aktivität von Fischen und Wild steuern. Er wertete über 200 eigene Ansitze aus und veröffentlichte ab den 1930er Jahren jährliche Tabellen. Sein Buch “Moon Up, Moon Down” von 1942 beschreibt die Entwicklung.
Die Theorie unterscheidet zwei Arten von Zeitfenstern:
- Hauptbeißzeiten: etwa zwei Stunden lang, wenn der Mond genau über oder genau unter Deinem Standort steht
- Nebenbeißzeiten: etwa eine Stunde lang, bei Mondaufgang und Monduntergang
- Verschiebung: der Mond braucht 24 Stunden und 50 Minuten von einem Höchststand zum nächsten, die Fenster wandern also täglich um rund 50 Minuten
Bei Voll- und Neumond stehen Sonne und Mond so, dass sich ihre Anziehungskräfte addieren. Die Gezeitenkraft der Sonne ist nur etwa halb so stark wie die des Mondes, in diesen beiden Phasen zieht sie aber am selben Strang. Deshalb gelten Voll- und Neumond als die aktivsten Tage.
Was davon wirklich trägt
An der Küste ist der Zusammenhang unstrittig, denn dort erzeugt der Mond die Gezeiten, und wer schon einmal bei ablaufendem Wasser auf Meerforelle gefischt hat, kennt den Unterschied. Im Binnensee fehlt dieser Hebel. Ein Tidenhub von wenigen Millimetern bewegt keinen Hecht.
Was im Süßwasser bleibt, ist das Licht. Eine klare Vollmondnacht ist hell genug, dass Räuber auch nachts auf Sicht jagen können. Das verschiebt die Aktivität in die Nacht und macht den folgenden Morgen oft zäh. Neumondnächte sind dagegen stockdunkel, hier zählen Geruch und Seitenlinie, und Naturköder schlagen Kunstköder.
Angeltaktiken und Wetterwechsel
Nach einem Wetterumschwung sind die Fische in der Regel viel bissfreudiger als vor dem Wetterumschwung. Dies gilt insbesondere nach einem Sturmtief. Dies kann damit erklärt werden, dass die Fische aufgrund der unruhigen Umgebung eine Zeit lang ohne Nahrung auskommen mussten.
Alle genannten Wetterfaktoren sind eng miteinander verknüpft. Um die perfekte Angeltaktik zu entwickeln, müssen daher alle Faktoren berücksichtigt werden. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Fische auf Veränderungen des Luftdrucks wie folgt reagieren:
- Schneller Druckabfall mit Änderungen von mehr als 6 hPa in drei Stunden: Die Neigung zum Biss ist hoch
- Schneller Druckanstieg mit Änderungen von mehr als 6 hPa in drei Stunden: Die Neigung zum Biss ist nicht vorhanden
- Stabiler Luftdruck mit Änderungen von nicht mehr als 10 hPa in einem Zeitraum von drei Tagen: Die Neigung zum Biss ist gut
Den Luftdruck und seine Tendenz musst Du dafür nicht selbst ablesen. Die Wetterampel oben auf dieser Seite holt beides für Deinen Ort und zeigt Dir direkt, wie stark der Luftdruck gerade auf den Beißindex einzahlt.
Angeltaktiken in warmem, kaltem und trübem Wasser
Bei kaltem Wetter sind die Fische im Allgemeinen weniger agil. Daher wird eine zurückhaltende Präsentation des Köders empfohlen. Umgekehrt sollte der Köder bei höheren Wassertemperaturen deutlich lebhafter geführt werden.
Die meisten Fische sind visuelle Jäger, die ihre Beute, notfalls über die Seitenlinie verfolgen. Wenn das Wasser durch Wind oder Niederschlag trüb ist, können wirbelnde Köder in diesem Fall nützlich sein, um das Beutefangverhalten der Fische auszulösen.
In kühleren Gewässern hingegen ist es ratsam, buntere Köder zu verwenden. Wenn die Umgebung des Zielfisches trüb ist, solltest Du eher leuchtend gelbe und grüne als rote Köder verwenden.
Wenn der Seegang rau ist, haben sich die Fische wahrscheinlich in tiefere Gewässer zurückgezogen. Wenn Du unter diesen Bedingungen angeln willst, solltest Du Dich für das richtige Boot entscheiden.

Angelwetter im Jahreslauf
Dieselbe Wetterlage bedeutet im Februar etwas anderes als im August. Entscheidend ist nicht die absolute Temperatur, sondern ob sie für die Jahreszeit hoch oder niedrig ist.
Frühling
Die Fische kommen aus der Winterruhe und haben Hunger, gleichzeitig steht bei vielen Arten das Laichgeschäft an. Sonne ist jetzt ausnahmsweise Dein Freund: Sie erwärmt zuerst die flachen Uferzonen, und genau dort sammeln sich die Fische. Ein warmer Nachmittag im März schlägt den Sonnenaufgang.
Sommer
Jetzt kippt die Regel. Warmes Wasser hält weniger Sauerstoff, und bei Hitze über 25 Grad wird das Flachwasser zur Wüste. Fische stehen tief, im Schatten oder an der Sprungschicht, wo das Tiefenwasser auf das erwärmte Oberflächenwasser trifft. Dämmerung und Nacht sind die Beißzeiten, Gewitterfronten die besten Stunden.
Herbst
Die beste Jahreszeit für Raubfischangler. Die ersten Nachtfröste kühlen das Wasser ab, die Fische fressen sich Reserven an, und das Nahrungsangebot schrumpft gleichzeitig. Trübe, windige Tage mit fallendem Luftdruck sind jetzt Gold wert.
Winter
Der Stoffwechsel läuft auf Sparflamme, Fische brauchen wenig Nahrung und bewegen sich kaum. Milde Phasen mit stabilem Luftdruck sind die Chance, plötzliche Kälteeinbrüche dagegen stellen das Fressen ganz ein. Köder langsam führen, tiefe Stellen suchen, Geduld mitbringen.
Welches Wetter für welchen Fisch?
Fischarten reagieren unterschiedlich, weil sie unterschiedlich jagen und unterschiedlich mit Sauerstoff umgehen.
| Fisch | Bestes Wetter | Schwierig wird es bei |
|---|---|---|
| Hecht | bedeckt, leichter Wind, fallender Luftdruck | praller Sonne über klarem Wasser |
| Zander | trüb, windig, Dämmerung und Nacht | klarem Wasser und hellem Mittag |
| Barsch | leicht bewölkt, Wind an der Kante | Sturm und starker Trübung |
| Aal | warme Gewitternächte, Regen, Neumond | kaltem, klarem Wasser |
| Karpfen | warm und stabil, sanfter Regen | schnellem Kälteeinbruch |
| Bachforelle | kühl, bedeckt, leichter Niederschlag | Hitze und Sauerstoffmangel |
| Wels | schwül, Gewitterluft, warme Nächte | kaltem Wasser unter 12 Grad |
Die Schwimmblase erklärt einen Teil davon. Je größer sie ist, desto empfindlicher reagiert der Fisch auf Druckänderungen. Forellen haben eine verhältnismäßig große Schwimmblase und werden bei Wetterwechseln merklich unruhig, während Grundfische ohne funktionale Schwimmblase kaum darauf ansprechen.
Verantwortungsvoll genießen
Das Angeln vor einem aufkommenden Sturm kann zu unglaublichen Ergebnissen führen. Es gibt zahlreiche Berichte von Anglern, die von der dann aufkommenden Beißlust profitieren, während andere Angler sich auf dem Nachhauseweg befinden. Aber begebe Dich nicht in Gefahr, das ist kein Fisch wert. Lies die Wetter- und Angelberichte sorgfältig durch und plane insbesondere in entlegenen Regionen eine gewisse Zeitspanne ein, um das Gebiet zu verlassen, falls Du aufgehalten wirst.
Wenn Du jedoch alles richtig machst, kannst Du den Fisch Deines Lebens fangen. Das ist alles, was Du über den Einfluss des Wetters auf das Angeln wissen musst.
Anglerlatein und Aberglaube
Vielleicht kennst Du auch solche Geschichten wie diese:
“Mein Großvater hielt auf dem Weg zum See immer an und wendete das Auto, wenn er Kühe auf dem Feld liegen sah. Er sagte dann, dass es bald regnen würde und die Fische jetzt nicht beißen würden. Die Kühe machen einen trockenen Platz für den kommenden Regen.”
Und stimmt es, dass vor allem Hechte Vollmond lieben? Dann ist es an der Zeit, die Leine nass zu machen und es auszuprobieren!
Häufige Fragen zum Angelwetter
Bei welchem Wetter beißen die Fische am besten?
Die verlässlichste Kombination ist bedeckter Himmel, leichter Wind und ein langsam fallender Luftdruck, dazu Dämmerung. Wichtiger als jeder Einzelwert ist aber die Veränderung: Eine aufziehende Front bringt Fische in Fresslaune, eine seit Tagen unveränderte Hochdrucklage macht sie träge.
Ist Ostwind wirklich schlecht zum Angeln?
Nicht die Windrichtung ist das Problem, sondern die Wetterlage dahinter. Ostwind bringt in Mitteleuropa meist trockene Kontinentalluft aus einem stabilen Hoch, und bei hohem, gleichbleibendem Luftdruck sind Fische zurückhaltend. Entscheidend ist die Dauer: Bläst der Ostwind seit mehreren Tagen konstant, haben sich die Fische darauf eingestellt und fressen wieder normal.
Beißen die Fische bei Vollmond besser?
An der Küste ja, denn dort erzeugt der Mond die Gezeiten und damit Strömung. Im Binnensee fehlt dieser Hebel, der Tidenhub liegt dort im Millimeterbereich. Was bleibt, ist das Licht: Eine klare Vollmondnacht ist hell genug, dass Räuber auf Sicht jagen. Das verschiebt die Aktivität in die Nacht und macht den folgenden Morgen oft zäh.
Lohnt es sich, bei Regen angeln zu gehen?
Leichter Regen gehört zu den besten Bedingungen überhaupt. Er trägt Sauerstoff ein, trübt das Wasser leicht und spült Nahrung ein, außerdem fühlen sich Fische unter der unruhigen Oberfläche sicherer und ziehen ins Flache. Dauerregen kippt die Wirkung, weil das Wasser abkühlt und die Trübung für Sichtjäger zu stark wird.
Soll man bei Gewitter angeln?
Vor dem Gewitter ja, während des Gewitters auf keinen Fall. Der schnelle Druckabfall davor löst oft heftige Fressphasen aus. Sobald das Gewitter da ist, endet das Beißen ohnehin, und eine Kohlefaserrute am offenen Ufer ist ein hervorragender Blitzableiter. Liegen zwischen Blitz und Donner weniger als 30 Sekunden, gehörst du ins Auto oder in ein festes Gebäude.
Warum beißt bei schönem Wetter oft nichts?
Schönes Wetter bedeutet meist hohen, stabilen Luftdruck und klare Sicht. Fische haben kein Augenlid und weichen grellem Licht aus, also ziehen sie in den Schatten oder ins tiefere Wasser. Dazu sehen sie im klaren Wasser auch Schnur und Vorfach. Aufhören musst du deswegen nicht, aber umdenken: dünneres Vorfach, natürliche Köderfarben und Schattenkanten statt der freien Fläche.
Welche Tageszeit ist die beste zum Angeln?
Die Dämmerung am Morgen und am Abend, weil Räuber ihre Beute dann noch sehen, die Beute den Räuber aber kaum. Im Hochsommer verschiebt sich das noch weiter in die Nacht, im Frühjahr dagegen kann ein warmer Nachmittag besser sein als der Sonnenaufgang, weil die Sonne die flachen Uferzonen aufheizt.
Wie zuverlässig ist ein Beißindex?
Er zeigt eine Tendenz, keine Gewissheit. Ein Index rechnet mit Luftdruck, Wind, Bewölkung, Niederschlag, Temperatur, Dämmerung und Mondphase, kennt aber nicht den Besatz deines Gewässers, das Nahrungsangebot oder den Angeldruck. Nützlich ist er vor allem beim Vergleich: Wenn du zwischen zwei möglichen Terminen wählst, gibt er einen brauchbaren Hinweis.
Bildquellen3
- angeln-winter-wetter.jpg – Kevin Phillips / Pixabay
- zander-wetter-nachts-dunkel.jpg – Andreas Barsch / Pixabay
- angelwetter.jpg – Jerzy Górecki / Pixabay











